Sonnenstern Aum

Erinnerst du dich an den kleinen weißen Sonnenstern, der dir einen kleinen Stein geschenkt hat? Ein Stein mit grüner, blauer, indigo, violletter, schwarzer und weißer, roter und gelber Farbe in sich.

Eine gewisse Einsamkeit trägt Aum, so ist der Name des weißen Sonnensternes, mit sich. Er möchte am liebsten die Himmelsleiter herunterschleichen und sich verstecken.

Inmitten einer großen Stadt entdeckt er einen Kastanienbaum , wo er sicher darunter für sich allein sein kann.

An diesem Kastanienbaum stehen Holzbretter, die groß und klein sowie dick und dünn sind. Natürlich bilden sie ein kleines Zelt um den Baum herum mit einem Eingang so schmal, dass eigentlich nur ein Kind hindurch kann. Leise nähert sich Aum dem Eingang und verschwindet im Inneren, wo er sich unter großen abgefallenen Kastanienbaumblättern versteckt.

Er will jetzt nicht leuchten in der Dunkelheit!

Oh weh, von draußen dringen Stimmen an sein Ohr.

„Laß mich in Ruhe und ich will jetzt auch keine gute Laune haben!“ hört Aum einen jungen Mann sagen. „ Tim, ich möchte doch nur....“ antwortet eine junge Frau.  „Nein Anita, ich möchte ALLEIN sein!“

Noch tiefer unter den Blättern versteckt sich Aum, der kleine weiße Sonnenstern., jedoch kommt schon der junge Mann durch den Eingang und setzt sich mit einem Seufzer vor ihn. Dann hört man nur noch eine tiefe Stille. Ein Regenwurm wandert gerade durch die Erde und es ist zu hören. So leise ist es. Andere Geräusche erlauscht nun Aum und überlegt, ob der junge Mann diese auch hören kann.

Patsch, Klatsch fliegen die Kastanienblätter durcheinander und es wird heller gegenüber von dem jungen Mann.

„Hallo“ flüstert der Sonnenstern und weiß gar nicht so recht, wieso er auf einmal die Sprache der Menschen spricht.

Tim, ihr habt schon bemerkt so ist der Name des jungen Mannes, schaut ihn ganz finster an. „Seit wann liegen in meinem Versteck solche Dinge herum und können auch noch reden?!“

Jetzt kannst du dir sicher denken, wie betroffen Aum daher sieht. Er ist doch kein Ding! Er holt tief Luft und sagt:“ Ich bin Aum ein Sonnenstern, und will mich eben auch hier verstecken.“

„Nein, die gibt es nicht, an so etwas glauben nur Kinder.“ bekommt er wütend zur Antwort. Da klingt jedoch noch so einiges Anderes mit in der Stimme von Tim.

Viele Farben kann eine Stimme übernehmen, genau wie Musik, Bäume, Blumen und überhaupt alles was dich auf deiner Welt umgibt. Ob unter oder oben, rechts oder links, leise oder laut, eckig oder rund. Manches Mal wird es jedoch vergessen.

Nun, horchen wir weiter, was in dem Versteck vor sich geht.

„Ach so, nur die Kinder denkst du. Wenn du meinst, dass es uns nicht gibt, wieso bin ich dann jetzt hier?!“ fragt Aum lautstark zurück und laut ist für ihn wie ein Flüstern von uns.

„Sei doch was du willst, nur lass mich in Ruhe im Dunkeln sitzen.“

„Bist du schon immer in dieser Stadt gewesen? Oder warst du auch am Meer und in den Bergen?“

Tim blickt von der Seite herüber und kneift die Augen zusammen. „Ich finde du bist ganz schön neugierig und geschwätzig obendrein für jemanden, der sich verstecken will.“

Wie du bereits bemerken kannst, scheint es in dem Versteck mit der tiefen Stille vorbei zu sein. Jeedoch nur mit der tiefen Stille, die andere Stille – Flüstern – kann Anita nicht hören. Leise kommt sie an das Versteck heran und legt eine Decke, Kekse und eine Thermoskanne mit Tee aus selbstgepflückten Kräutern und Gänseblümchen vor den Eingang. Sie selbst legt sich mit einer Decke auf die Liege unter dem Baum und schaut durch die Blätter in den Himmel.

„Ich glaube eben, dass ich dich kenne. Wir hatten früher gemeinsam wunderbare Reisen und haben tausend mal tausend Abenteuer bestanden.“

„Ach, welche denn?“ fragte Tim immer noch wütend,traurig und auch ein bisschen ängstlich.

„Warte, warte mir fällt gleich eine Reise ein, oder hatten meine Geschwister von dir erzählt? Ich muss kurz überlegen. Geh nicht weg.“

„Ich bleibe bestimmt hier, das ist mein Versteck!“ Nahm sich Decke, Kekse und Tee. Du weißt natürlich was er damit anstellt.

„Jetzt habe ich es.“ ruft Aum.

„Ich erzähle dir eine Geschichte von jedem der anderen acht Sonnensterne.Vielleicht kannst du dich  dann erinnern.

Dir lieber Leser oder Leserin sind diese Geschichte bekannt und somit bist du sicher neugierig, ob Tim einwilligt.

„Na dann fang doch an mit deinen Geschichten! Vorher habe ich ja doch keine Ruhe vor dir.“ Somit schlägt Tim die Arme ineinander, schließt die Augen und knabbert an einem Keks, welche Anita für ihn gebacken hat.

Umgeben von den Holzbrettern und den Kastanienblättern legt sich Aum gemütlich nieder und schaut durch eine Ritze im Versteck zum Sternenhimmel.

Äußerst zaghaft beginnt er mit der ersten Geschichte seiner Sonnensterngeschwister und beobachtet dabei sehr genau wie Tim sich verhält. Es ist schließlich eine ganz besondere Leistung für Erwachsene wieder mit einem Sonnenstern eine Unterhaltung einzugehen oder diesem zu lauschen.

Nacheinander erklingen die Geschichten von Piraten, vom Schneemannbauen, Prinzen, Ungeheuern, Muscheln und so vielem mehr.

Mit jeder Geschichte leuchtet Aum etwas mehr und das Erfreulichste an diesem ganzen Erzählen ist, dass die Augen von Tim auch in ihrem klaren Blau immer mehr leuchten und er so manches für die Geschichten von Aum mit beitragen kann.

„Es tut mir leid.“ ertönt es leise von Tim und er rutscht näher an Aum heran. „ Was denn?“

„Das ich nicht mehr an dich gedacht habe.“

Gemeinsam strahlen, lachen und singen sogar sie miteinander bis der erste Vogel über ihnen sein Lied singt.

Aufgebraucht sind alle Kekse und der Tee. So langsam möchte Aum wieder bei den anderen Sonnensternn sein und Tim möchte Anita fragen, ob sie die Sonnensterne kennt.

Gleich neben dem Holzversteck bildet sich aus dem Morgentau und den Lichtstrahlen die Himmelsleiter.

„Danke für die wundervolle Nacht mit dir lieber Tim. Jetzt gehe ich glücklich wieder heim. Darf ich meinen Geschwistern und der Sonnensternmutter von dir erzählen?“

„Ja, na klar. Danke, dass du mich hast erinnern lassen.“

Aum berührte zum Abschied ganz leicht seinen neuen, oder schon alt bekannten Freund Tim und stieg auf der Leiter nach oben.

Einige Schritte weiter beobachtet Anita wie Tim besonders leise flüstert und in Richtung Himmel winkt. Mit langsamen und sachten Schritten geht sie hin und nimmt seine Hand.

„ Heute Nacht habe ich auf der Wiese neben deinem Versteck gelegen. Dabei habe ich in den Sternenhimmel gesehen. Ob du es glaubst oder nicht, nacheinander sind dort acht Sterne in den verschiedensten Farben aufgetaucht.“

„Aha, da haben sie wahrscheinlich den Geschichten gelauscht, die der neunte Sonnenstern mir erzählt hat.“

Anita kann es gar nicht fassen, dass Tim ihr so etwas erzählt.

„Du kennst doch die neun Sonnensternkinder?“ Anita schaut ihn mit weiten blauen und fragenden Augen an. Langsam gehen sie auf den Weg und Tim erzählt ihn von seinen Erlebnissen der letzten Nacht. Sie unterhalten sich über Sonne, Sterne, Milchstraßen und alles was ihnen über das Universum einfällt.

„Erinnere mich bitte daran, dass wir den Kindern, die uns auf unserem Weg begleiten, von den Sonnensternen erzählen.“ sagte Tim und ging umschlungen mit Anita gemeinsam auf den Weg in die weite Welt, begleitet von neun Sonnensternen.

Gemeinsam gehen sie den Weg. Manchmal können sie die Sonnensterne sehen. Wenn nicht, dann einfach nur mit ihnen reden oder an sie denken.

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