Sonnenstern Keki

Es war einmal und es gibt sie auch noch heute Himmelsleitern, welche jedes Kind und jeder andere Mensch sehen kann, wenn er die Augen schließt, in Ruhe einatmet und ausatmet, dem Wind und dem Rauschen der Blätter der Bäume lauscht.

Nach einem sonnigen und heißen Tag schlich sich ganz langsam der Mond in den dunkelwerdenden Himmel und besah sich das Treiben an einem Fluß inmitten von dem Kontinent Europa. Schnell fließt das Wasser in die Richtung einen Sees vorbei an starken Bäumen, kleinen Häusern aus Lehm und kräftigen grünen Wiesen.

All das beobachtet Keki – ein blauer Sonnenstern, der sich gerade auf der Suche nach einem großen Baum befindet. So einen Baum, der von der Erde bis in den Himmel seine Krone hebt und in dem man sich verstecken, klettern, schlafen und beobachten kann. Ihr solltet wissen, dass Keki in der letzten Nacht noch auf einem anderen Planeten gewesen ist, wo die Bewohner so gut wie kein Wasser mehr haben. Dies lässt die Bewohner dieses Planeten traurig und ratlos sein. Vor langen Zeiten war es auf diesem Planeten sehr bunt, es gab für Jeden alles in der Menge, welche er benötigte. Alle Lebewesen lebten in Glück und Frieden.

Wie es jedoch genau gekommen ist, dass nun alles vertrocknet ist, daran kann sich niemand mehr erinnern. Nicht Einer oder Eine!

Für alle ist es ein großes Geheimnis. So hat Keki bei seinem Abflug versprochen im großen Universum nach Geheimnissen für Wasser, Bäume, Sträucher, Tiere und überhaupt alles was ein Planet wirklich benötigt zu suchen.

Angezogen von dem Duft des Wassers, der Holunder- und Rosenblüten fand er sich nun in einem bunten natürlichen Land wieder. Ringsherum schnupperte es auch nach frischen Wasser und ganz leicht wehte der Duft eines Lagerfeuers herüber.

Keki drehte eine Runde ganz dicht über den Bäumen und schnupperte mit seiner Sonnensternnase, ob er das Lagerfeuer finden kann. Es mischten sich für ihn noch andere geheimnisvolle Gerüche dazu. Welche ihr sicher kennt – den Duft von Gulasch, Pflaumen- und Aprikosensaft und den Duft von selbstgebackenem Apfelkuchen.

Moment, es roch auch nach Tieren. Nur welche Tiere können das sein?

Er sieht von oben ein riesiges Gebäude, weite Wiesen und etwas das aussieht wie eine Manege. Es ist eine Pferdehof und in dem Stall ist nun am Abend alles in Ruhe, und seine Sonnensternohren hören Stimmen von Menschen, welche er an einem Lagerfeuer erblickt. Keki fliegt vorsichtig näher heran und landet auf etwas weichem mit weißer Farbe, was sich etwas struppig anfühlt und sich bewegt. Und plötzlich schauen ihn zwei dunkelbraune Augen an.

Er nimmt all seinen Mut für ein Lächeln zusammen und sagt: “Guten Abend.“ Ein Nießer lässt ihn in die Luft hüpfen und nun landet er zwischen zwei Ohren, denn er saß auf der Nase eines Hundes. Ein Hund! Sofort packt ihn die Angst, denn seine bisherigen Erfahrungen mit diesen Lebewesen waren nicht so fröhlich. Nun kichert er jedoch auf einmal los, da ihn das Fell des Hundes kitzelt und all seine Angst ist verflogen. „A nevem Elli.“ Sagt der Hund. Eigentlich versteht unser blauer Sonnenstern gar nicht diese Sprache, jedoch die Sprache des Herzens versteht jeder, oder?

Schnell antwortet er mit seinem Namen und erzählt, dass er auf der Suche nach Geheimnissen ist. „Steige auf meinen Rücken und ich bringe dich näher an das Lagerfeuer heran, dort kannst du die ganze Nacht lauschen, ob du die Geheimnisse findest, welche du suchst.“

Elli ließ sich neben einem alten Mann, der eine lange Pfeife im Mund trägt im Kreise der Menschen nieder und Keki macht es sich im Fell von Elli bequem. Um das leise lodernde Lagerfeuer herum sitzen kleine, große, bunt- und weißgekleidete Bewohner des Dorfes. Sie schauen alle ruhig in das Feuer, essen dabei Gulasch und trinken Holunderblütentee. Keki kann das Knistern der Holzscheite und die Rufe der Eulen hören, so eine tiefe Stille verbreiten die Menschen. Auf den vom Mondlicht erleuchteten Gesichtern erkennt er viele nachdenkliche Mienen.

„Was haben wir verkehrt gemacht?“ fragte der älteste Mann nachdem Alle ihr Essen beendetet hatten. Er zündete seine Tabakspfeife an und den Rauch in das Mondlicht gleiten. Ein langer Seufzer ging um das Lagerfeuer herum und nun begannen alle durcheinander. Sie stellten Fragen und fanden keine Antworten. Elli und Keki konnten einige dieser vernehmen.

„Warum singen nicht mehr so viele Vögel am Morgen?“

„Wieso haben wir nicht mehr genug Wasser zum Trinken und Waschen?“ „Wieso vertrocknen unsere Bäume?“

„Weswegen dürfen wir nicht mehr vor dem Haus spielen?“

Diese Fragen wunderten Keki, denn er glaubte hier gebe es von allem genug.

Nun fragte ein kleines Mädchen: „ Wieso gehen die Tiere von hier fort, lieber Vater und lieber Großvater?“

Der alte Mann und sein neben ihn sitzender Sohn sahen sich an und ihr Blick wanderte in die Richtung einer alten Frau, welche ein wollenes weißes Kleid trägt. Sie hat weiße lange Haare, blaue Augen und rote Wangen durch die Wärme des Lagerfeuers. Ihre Hände hat sie ruhig in ihrem Schoß niedergelegt. Ihre freundlichen klaren Augen trafen sich mit dem Blick des alten Mannes uns aus seinen Augen kullerten sanft und leise drei Tränen.

Ja, er wollte es für alle leichter gestalten und hatte viele neue Maschinen in das Dorf gebracht. Die Brunnen im Dorf versiegten und so mancher Baum musste für den Bau einer Straße weichen. Die Dorfwiesen mussten Straßen weichen, wodurch diese für die Kinder unsicher waren und die meisten Bewohner pflegten ihren Garten nicht mehr selbst. Sie verbannten aus ihrem Gärten sogenanntes Unkraut und Ungeziefer. Nur dieses Ungeziefer war wiederum für die Vögel als Nahrung wichtig und das Unkraut waren eigentlich Heilkräuter und Pflanzen die eine gute Nahrung für den Menschen sind. So blieben die Menschen damals fröhlicher und gesünder. Auch wenn ihre Arbeit scheinbar härter war, so hatten sie die Zeit und Orte für gemeinsame Feste.

Ach ja, so erzählten sich die alten Leute am Lagerfeuer aus längst vergangenen Zeiten und es hatte den Anschein, dass in der Vergangenheit alles besser gewesen ist.

Keki und Elli waren mittlerweile sehr durcheinander von all den Geschichten, beide sahen sich mit großen Augen an und flüsterten miteinander. Mit einem Mal jaulte Elli auf und mit unserem blauen Sonnenstern auf dem Rücken stupste sie einen Menschen nach dem anderen an, solange bis sich alle erhoben und der davonlaufenden Elli nachsahen. Sie hatte vor einigen Tagen in einem Haus, in welchem die alte Frau ab und zu etwas erledigte, herum geschnüffelt.

Dort gab es merkwürdige Dinge  und selbstverständliche viele alte Bücher. Elli hatte dieses Haus welches mit Obstbäumen, Sträuchern und Unkraut bewachsen war, entdeckt als es einem Kaninchen nachlief.

Allerdings wollte Elli an diesem Abend die großen und kleinen Menschen in das Haus bringen, damit sie auch dies dort liegenden geheimnisvollen Dinge kennenlernten, welche die alte Frau dort liebevoll und gütig aufbewahrt.

Noch einmal erhob Elli ihre Stimme und jaulte laut auf, sprang von einem zum anderen und zog an deren Kleidung. Mittlerweile war der kleine blaue Sonnenstern Keki auf den Schornstein des Hauses geflogen und der Mond sendete sein Licht auf ihn und das weise Haus.

Das blaue und weise Leuchten in der Dunkelheit der Nacht erreichte als erstes die Augen der Kinder. Jetzt stießen ihre Eltern und Großeltern an, denn sie wollten dem Leuchten folgen. Sie nahmen Elli in ihre Mitte und gingen langsam in die Richtung des Leuchtens. Alle anderen, womit die großen Menschen gemeint sind, haben noch etwas Angst. Nun wollen sie ihren Kindern und Enkelkinder nicht nachstehen und sie setzen sich nach dem Zögern in Bewegung. Somit leerte sich der Platz um das Lagerfeuer und Alle trafen sich am Tore des Gartens wieder, welches von Holunderbüschen umsäumt war.

Sein blaues Licht lies Keki auf die alte Frau im weißen Kleid mit dem Namen Elisabet scheinen und bat sie damit um Einlass für Alle, die den Mut hatten. Da brauchte er nicht lange bitten, das Tor war im Handumdrehen geöffnet und kurz darauf in Lichtgeschwindigkeit die Haustür und die Schuppentür.

Oh, was es hier alles für Entdeckungen gab, Waschbretter, Wasserkübel, Spinnräder, Sensen, Badetröge, Holzöfen, Spaten, Hacken und noch andere tausend alte Gegenstände. Die Kinder des Dorfes kannten viele dieser Dinge gar nicht und wollten so viel über diese erfahren und sie ausprobieren. Sie fragten ihren Eltern und Großeltern darüber Löcher in den Bauch. Elli lies es sich derweil mit einigen Scheiben echter Salami gut gehen und Keki lauschte jetzt von dem Rande eines Brunnens in welchem Wasser vor sich hin plätscherte den Erzählungen der großen Menschen, mit genauso offenen Ohren und Augen wie die Kinder.

Ein kleines Mädchen kam an den Brunnen und ließ einen Eimer, der an einem Seil hing und den Brunnen hinab, so daß dieser sich mit Wasser füllte, zog ihn wieder hinauf, trank das Wasser und wusch sich ihr Gesicht. Zsuzsa, so ist der Name des Mädchens, brachte den Eimer ihrer Großmutter Elisabet.

Stellt euch vor, jetzt wurde mitten in der Nacht gebacken, gekocht und gebraten mit vielen Händen und den alten Küchenwerkzeugen. Teige wurden zum Beispiel in einer Schüssel mit der Hand geknetet, was den Kindern große Freude bereitete. Alle waren auf einmal in guter Laune und eine große wohlige Wärme breitete sich im Garten aus.

Nach einer Weile waren hunderte von Speisen und Getränken bereitet, wo alle miteinander staunten, was sie gemeinsam vollbracht hatten. Inmitten des Staunens erklang eine zarte Melodie aus der Richtung des Lagerfeuers, das eigentlich nur noch aus der Glut bestand. Der Beschützer des Feuers hatte auf seiner Geige mit dem Spiel begonnen und leitete damit den Sonnenaufgang ein. Der Klang der Geige, war so wundervoll, dass einige Vögel mit einstimmten und die ersten erwachten Pferde ein Wiehern mit einbrachten.

Somit war es Zeit nach einer solch aufregenden Nacht für ein gemeinsames Frühstück im Garten des weisen Hauses mit Tanz und viel Gelächter. Für Keki war es die Zeit wieder auf der Himmelsleiter nach Haus zu fliegen. Er setzte sich auf den Rücken von Elli und ließ sich an den Fluss mit den Bäumen, welche bis in den Himmel ragen, bringen. Beide sahen sich in die Augen und wussten, dass sie sich nach dem Anbruch des 13. Abends an dieser Stelle wieder sehen. Noch einmal leuchtete Keki in seinem Blau auf und erklomm die Himmelsleiter. Sie führte ihn in das Heim seiner Mama, wo er all seine Erlebnisse teilen wollte.

Nachdem er sich drei Tage und drei Nächte mit seinen acht Sonnensterngeschwistern und seiner Sonnenmama unterhalten hatte, reiste er auf den Planeten, wo es nicht ausreichend Wasser gab.

Er suchte auf den Hügeln, bei den verlassenen Häusern. Was er suchte fand er in der Nähe eines alten ausgetrockneten Baumes. Man erkannte es nicht sofort und Keki sah als erstes nur einen alten Eimer der an einem Seil befestigt war, der im Sand lag. Als er näher kam hörte er ein leises Plätschern, was ihn an Zsuzsa und Elisabet denken lies. Jetzt galt es noch einen Weg zu finden, wie er die Bewohner dieses Planeten dorthin führen konnte und sie mutig das Wasser wieder für sich gebrauchten. Ihr wisst wie das geht? Dann könnt ihr es ihnen gern erzählen.

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